| 06.09.2011 |
JÜRGEN HUMMEL |
Für Sie gelesen: |
Die Welt Online
Autor: Stefan von Borstel 06.09.20112,4 Milliarden Euro
Krankenkassen mit Milliarden-Überschuss
Arzneiausgaben um 6,3 Prozent gesunken
|
Dank gesunkener Arzneiausgaben und der guten Konjunktur haben die
gesetzlichen Krankenkassen im ersten Halbjahr einen Überschuss von 2,4 Mrd.
Euro erwirtschaftet. Der Gesundheitsfonds, aus dem die Kassen ihr Geld
bekommen, dürfte Ende des Jahres sogar 6,9 Mrd. Euro auf der hohen Kante
haben. Allerdings sind davon rund fünf Mrd. Euro bereits verplant. Trotz der
rosigen Finanzlage hält das Gesundheitsministerium nichts von
Beitragssenkungen. Die Ausgaben dürften wieder anziehen, so die Begründung,
außerdem berge die Finanzkrise Konjunkturrisiken.
|
||
| Im
ersten Halbjahr hatten die Kassen Einnahmen von 91,7 Mrd. Euro, gaben aber
nur rund 89,3 Mrd. Euro aus. Die Ausgaben stiegen dabei geringer als
erwartet, was das Ministerium vor allem dem Arzneimittel-Sparpaket
zuschreibt. Tatsächlich gaben die Kassen pro Versichertem nur 2,8 Prozent
mehr aus als im Vorjahr - geschätzt worden war ein Zuwachs von 4,3 Prozent.
Die Arzneiausgaben sanken um 6,3 Prozent. Zurückzuführen ist das auf den
gesetzlichen Pharmarabatt, Rabatte, die die Kassen mit den Herstellern
aushandeln, und neue Höchstbeträge für die Kassenerstattung. In fast allen
anderen Bereichen stiegen die Kosten teils kräftig. Allein für den größten
Posten - die Klinikbehandlungen - gaben die Kassen 30,8 Mrd. Euro aus - das
waren 4,6 Prozent je Versichertem mehr als im Vorjahr. Die Ärzte bekamen 2,3
Prozent mehr Honorar.
|
||
|
Auch der Gesundheitsfonds, aus dem die Kassen ihr Geld nach einem
festgelegten Schlüssel zugeteilt bekommen, fuhr zur Jahresmitte einen
Überschuss von 460 Mio. Euro ein. Das Plus dürfte noch steigen, da zum Ende
dUnter dem Strich erwarten die Experten des GKV-Schätzerkreises Ende 2011
eine Rücklage des Fonds von fast sieben Mrd. Euro. Davon ist der größte Teil
jedoch verplant: Drei Mrd. Euro werden für die gesetzliche Mindestreserve
und zwei Mrd. Euro für den Sozialausgleich in den Jahren 2012 bis 2014
benötigt.
|
||
|
Damit bleiben zwei Mrd. Euro, die noch nicht verplant sind - und gleich
Begehrlichkeiten wecken: So fordern die Betriebskrankenkassen jetzt eine
Prüfung der Zuweisungen an die Krankenkassen. "Es kann nicht sein, dass sich
im Fonds ein Überschuss abzeichnet und gleichzeitig Kassen Zusatzbeiträge
erheben müssen, weil ihre Zuweisungen nicht reichen", sagte Klemens Pawisa,
Vorstandschef der BKK Mitte. Zuvor hatten Kassen, Wirtschaftspolitiker und
Arbeitgeber schon gefordert, den Beitragssatz von 15,5 Prozent zu senken.
|
||